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Fertigtexte

 

 

ereignisumtost

Mein Leben war nicht immer einfach und es hielt auch manche Enttäuschung für mich bereit.

Die ersten 50 Jahre waren regelrecht anstrengend aber dann hatte ich mich daran gewöhnt.

Inzwischen hatte ich sogar schon einmal ein Comeback! 

Heute bin ich unvernetzt und untätowiert.

Ich schmecke den staubtrockenen Geschmack des Loslassens und weiß inzwischen:

 

Das Reich der Toten wird wieder in seinem alten Glanz erstrahlen! (8/2018)

 

Wiederkehr des Messias?

Ryan ist 7 Jahre alt. Er bewertet schon seit seinem vierten Lebensjahr Spielzeug auf YouTube (Ryan ToysRewiew). Seine mittlerweile über tausend Videos sind inzwischen über 25 Milliarden Mal geklickt worden. Damit hat er inzwischen über 20 Millionen Dollar verdient und so wurde er der bestverdienende YouTube Star 2018. Aber die Stromkosten für diese 25 Milliarden Downloads liegen noch höher, nämlich bei 25 Millionen Dollar. Ein durchschnittliches Atomkraftwerk bräuchte neun Tage, um diese Menge Energie zu erzeugen. (6.12.18)

 

Sportliche Übung

Beim Ausatmen bis Drei zählen und angestrengt entspannen.

Die Kinnlade acht Mal über die linke Schulte rollen.

Mit den Zehenspitzen einen Kreis bilden.

Rücken halb geschlossen halten. Dabei mit den Augen zwinkern.

Rechts – links – ganz entspannt Hundert Mal auf allen Vieren durch den Raum hüpfen.

 

Einmal Atmen. (8/98) 

 

Wolkenkratzer

– ein Wort, so wichtigtuerisch wie grenzenlos naiv.

–  ein Wort, dass brandaktuell sein will und doch hoffnungslos veraltet ist.

–  ein Wort, dass einmal klang wie aus dem Munde eines Halbwüchsigen und dass heute niemand mehr benutzt.

 

Doch es hat immer noch eine Leuchtkraft als stamme es aus einem chinesischem Gedicht. (4/93)

 

Zwei Welten

Am Abhang eines Tage mit mittlerem Sonnenschein bei durchschnittlichen Temperaturen trafen sich zwei Welten, die zufällig des Weges kamen. Sie verwickelten sich in eine Diskussion, die das Thema der Wiedergeburt verband mit dem ausufernden Desinteresse an einer allgemeinen Sicht der Dinge. Abends dann, als die Dunkelheit schon zunahm, verabschiedeten sie sich mit den Worten: „Alles Gute!“ und zählten ihre Wunden. (12/92) 

 

Einleitung

Dies ist eine Geschichte aus einer Zeit am Rande eines Wasserfalls. Der Überlieferung zufolge wird ihre Entstehung einem Dichter zugeschrieben. Man findet Niederschriften auf zahlreichen Tontafeln im ganzen Land – Tontafeln aus Tonen einer Skala von 1 – 10. Auch heute noch geniert man sich beim Gähnen in ehrfürchtigem Angedenken an diese Geschichte. (12/92)

 

Im Kreis

Ich bringe Dinge in euch zum Leuchten –

Dinge, die ihr vielleicht gar nicht leuchten sehen wollt.

Dinge, von denen ihr vielleicht nicht einmal wusstet, dass sie leuchten können.

 

Dafür tue ich meine Arbeit – 

Eine Arbeit, die rein gar nichts bringt.

Und dann leuchten diese Dinge.

Ich halte euch meine Arbeit unter die Nase und dann leuchten diese Dinge.

Doch manchmal brüskiert euch das und das macht mir Angst. 

 

(Mai 18)


Joggen

            Ich jogge wie ein Hundertjähriger. die Arme hängend, Oberkörper nach vorn geneigt und superlangsam. Ich habe zwar eine hohe Schrittfrequenz aber ich mache Trippelschritte.

            Die Leute sehen mich mitleidig an und denken: Der arme Kerl! Herzinfarkt und Reha – der wird nie wieder so richtig auf die Beine kommen.

            Ich überhole nie jemanden – im Gegenteil: Ich werde überholt von übergewichtigen, kleinwüchsigen Rentnerinnen. Wenn ich dann doch einmal jemanden überhole, dann überholt mich der 100 Meter weiter sofort wieder zurück, weil er sich ja eine solche Blöße nicht geben will.

            Es kommt auch vor, dass mich Leute mit einem Affenzahn überholen, nur um dann 100 Meter weiter völlig entkräftet ins Gehen zu wechseln.

 

            Wenn das Frauen sind, dann raffen die sich nicht mehr auf, aber wenn das ein Mann ist, dann überholt der mich noch einmal, nachdem ich an ihm vorbei getrippelt bin. Und wenn dieser Mann 200 Meter weiter wieder schlapp macht, holt er sein Handy raus, damit es nicht so aussieht, als würde daran scheitern, mich endgültig zu überholen. So sehen Sieger aus! Aber ich freue mich, dass sie dabei ihren Spaß haben. (17.5.17)

 

 

 

 

Mein Herz ruft nach Dir

 Es ist immer wieder erstaunlich, wie unfassbar fremd die Anderen sind – selbst die, die mir nahe stehen – selbst die, mit denen ich seit über dreißig Jahren zusammen wohne.  Es gibt sogar kein einziges Merkmal, das hervorstechender und charakteristischer für sie wäre als ihre Andersartigkeit. Ihre Andersartigkeit ist so dominierend, dass es aufwändig und schwierig ist, herauszufinden, wo denn überhaupt die Gemeinsamkeiten liegen. Diese  machen nämlich nur ein Millionstel aus. Und dieses Millionstel ist unauffällig. Es sticht nicht hervor, wie ein rote Kugel inmitten von einer Millionen weißen. Es drängt sich nicht auf und es ist wirklich Mühsam, es zu finden – nahezu unmöglich, denn es ist gut getarnt. Und dieses Millionstel haben auch alle anderen, nicht nur die, mit denen ich schon seit dreißig Jahren zusammen lebe.

(12.4.17)

 

 

 

Die schöne Yogalehrerin

Die schöne Yogalehrerin sagt, dass die Mönche es erst im dritten Versuch schafften, beim Meditieren nur durch Gedankenkraft DNA zu verändern und das auch nur, weil sie beim dritten Mal an Liebe dachten. Und dass dann die Wissenschaftler jubelten, weil sie damit nämlich endlich die Existenz Gottes beweisen hätten.

Aha!

Du bist auch Hypnotherapeutin?

Wie toll! Ich würde mich gerne einmal von dir hypnotisieren lassen! Am besten von deinem Busen. Ich bezahl Dich dafür mit Unterricht! Ich bringe Dir bei, wie man verliert – okay?

Ach nein – das wird dann doch zu teuer. So viel Geld habe ich nun auch wieder nicht!

(12.4.17)

 

 

 

Morgen

Heute ist nicht der Tag. Heute ist kein guter Tag. Heute ist es schon so spät. Heute bin ich müde. Und außerdem habe ich heute schon so viel einstecken müssen. Morgen – ah ja – Morgen. Morgen ist gut. Morgen werde ich anfangen, mein Leben zu verändern. Morgen werde ich achtsamer sein. Morgen werde ich nicht mehr rauchen und trinken. Morgen werde ich früh aufstehen. Ab Morgen gibt es einen neuen Rhythmus in meinem Leben. Morgen steige ich aus. Morgen lege ich meine schlechten Gewohnheiten ab und beginne ein besseres Leben. Ja, das werde ich. Ich bin ganz sicher. Ich fühle es genau. Morgen ist der richtige Zeitpunkt. 

(23.9.03)

 

 

 

Ein halbes Jahr  später

nicht anwesend

            Ein Mann sucht seine Identität in der Schublade seines Schreibtisches. An der Brust seiner Frau findet er nur ein Stück warmer Haut, die vielleicht seine Haut retten könnte. Seine Identität sucht er in der Schublade seines Schreibtisches, doch er findet nur das gehaltvolle Geblubber einer Thermoskanne. Auch die Maschine, die er nicht mit DU anreden darf, kann den Durchzug nicht beenden.

            Durchzug in seinem Gehirn. Die Gedanken, die von der einen Seite kommen, verschwinden an der anderen Seite wieder. Das macht ihn frösteln.

            Es ist das Drehen, das panta rhei, das Turnier, das nicht aufhören will. Und die Worte, die er zu anderen spricht, prallen wie Bälle von den Wänden ab.

            Wie leise doch seine Stimme geworden ist. Hat er so wenig zu sagen?

            Im Inneren von Kellerräumen gibt Stimmen, die eine Treppe hinunter gefallen sind. Sie erzählen dir gern von Menschen ohne Ziel. Menschen, die ihre Mitte verloren haben. Menschen, die ihre Identität in einer Schublade suchen. Einer Schublade ihres Schreibtisches. (27.12.94)

 

 

 

Industrie

            Am Rande einer grau gummierten Fläche breitete sich eines Morgens eine merkwürdige Unruhe aus. Niemand erwartete etwas Bestimmtes, etwa das Rauschen eines Wasserfalls, oder das Miauen einer Katze. Auch nicht die Ankunft eines purpurnen Feiertages oder das gegenseitige Beschenken mit bunten Luftballons stand bevor.

            „Die Kanone schießt über den Berg.“, hatte der Vorarbeiter zur Begrüßung gesagt und alles ging an die Arbeit. Doch die Arbeiter am Rande der gummierten Fläche waren unruhig - daran gab es keinen Zweifel. Um 9:00 Uhr kam der Vorarbeiter vorbei. Er merkte nichts. Ja – eigentlich bemerkten auch die Arbeiter nichts, außer vielleicht: ihre eigene Tachykardie. Ein jeder glaubte, er hätte zu viel Kaffee getrunken oder ähnliches. Ein jeder glaubte, dass dieser Zustand bald vorüberginge. Er ging aber nicht vorüber, im Gegenteil: Er steigerte sich, flaute leicht ab und steigerte sich noch mehr. Schließlich wurde er unerträglich.

            Um 10.00 Uhr begann die allgemeine Tachykardie auch auf die Maschinen überzugreifen. Sie liefen unrund. Unrund am Rande der grau gummierten Fläche. Sieben mal Sieben Meter unrund. Am schlimmsten traf es die Kümpelmaschine. Der aufgeregt herbeigerufene Vorarbeiter schrie sie an. Doch zur Antwort bekam er nur Bleche mit Beulen.

            Um die Mittagszeit wurde die Leitung informiert, denn auch der Geschäftsführer wusste sich nicht zu helfen, obwohl er ein fleißiger und intelligenter Mann war. Er war keinesfalls ein Idiot. Er war tüchtig. Er taugte was. Aber dennoch fiel ihm nichts anderes mehr ein, als den Chef zu alarmieren.

            Das Tagessoll zu erreichen war inzwischen unmöglich geworden. Ein Arbeiter hatte sich in die Hand geschnitten und musste genäht werden. Zwei weitere saßen leichenblass auf den Rohwaren und schnappten nach Luft. Die unrund laufenden Maschinen polterten. Mehrere Sägescheiben waren zersprungen. Schmieröl lief in Rinnsalen über den Hof.

            Da kam der Chef und ergriff sogleich mehrere Maßnahmenbündel. In jeder Hand hielt er zwei, die er jetzt drohend in die Höhe reckte. Das zeigte Wirkung. Die unrund laufenden Maschinen drängten sich ängstlich auf der gummierten Fläche zusammen. Sie erkannten, dass sie ausgespielt hatten. Sie waren zu weit gegangen. Die Arbeiter bildeten einen Kreis. Dann warf der Chef den ersten Stein.

            Am anderen Morgen holte die Recycling-Firma die Überreste der Maschinen ab. Mittags sollten die neuen geliefert werden. Eifrig halfen die Arbeiter mit, denn man wollte nicht noch mehr in Verzug geraten.

            Als tags darauf am Rande der grau gummierten Fläche wieder alles seinen gewohnten Gang ging, erinnerte nur noch eine leichte Tachykardie die Arbeiter an die zurückliegenden Ereignisse. (12.4.93)

 

 

 

Schöne Aussichten

            Zu den größten bekannten Entfernungen des Universums zählt sicherlich die Entfernung von Mensch zu Mensch. Daran hat auch der alles umfassende Fortschritt im Schlepptau der Zivilisation nichts geändert.

            Neuerdings versucht man, dem Problem mit ausufernder Ressourcenverschwendung beizukommen. Zu diesem Zweck hat man mit dem Fürsten von Rarotonga bilaterale Verhandlungen begonnen. Als Knackpunkt gilt, dass der Fürst die Photosynthese gefährdet sieht. Seiner Ansicht nach sei der Himmel jetzt immer öfter von Jets geschwärzt. Er müsse daher zumindest auf einer Öffnung des Ozonloches bestehen. Dies aber würde die Luftflotte bedrohen, die daher lediglich dazu bereit ist, die Kosten für einen Grün-Anstrich Ihrer Flugzeuge zu übernehmen. Doch wie auch immer - es steht zu vermuten, dass mir mein Weg zu dir noch lange Jahre nur durch Geduld und Bescheidenheit gelingt. (30.3.93)

 

 

 

Tatsachen

            Eines wintermorgens tauchte hinter einem Gebüsch am Wegrand ein Weiser auf. Er trug einen langen 24-Kanal-Rock aus einem Studio auf Jamaika. Kaum jemand bemerkte ihn zunächst und als er wieder verschwand, dachte sich niemand etwas dabei. Erst als in der darauf folgenden Nacht im nahe gelegenen Supermarkt eingebrochen wurde und man dort die „Mythologie Russlands“ sowie zwei Karton „Miracoli“ entwendete, verarmte das ganze Land.

            Die Menschen beklagten Lauthals die Entstehung der Armut und manch einer wusste sogar von den Ursachen zu berichten. Aber die Gestalt des Weisen im 24-Kanal-Rock blieb auf immer verschollen.

            Wichtigste Aufgabe der Regierung war nun die Einführung der 9-Tage-Woche, denn, wollte man die Armut überwinden, so musste man endlich wieder die Jagt auf die dringend benötigten Säbelzahnschnecken ermöglichen.  Und dazu wiederum musste man den Gott der hohen Absätze dazu bewegen, den Mischwald zu verlassen und dies wiederum - das wusste Jedermann nur allzu gut - konnte man, wenn überhaupt nur durch die Einführung der 9-Tage-Woche erreichen.

            Doch die 9-Tage-Woche wurde nie eingeführt. Sie blieb stecken in einem Sumpf des Misstrauens und versank auf Nimmerwiedersehen.

            Als endlich nach langer Zeit des Darbens ein charismatischer Müllschieber auftauchte und Anstalten machte, die Probleme des Landes zu lösen, brach ein Krieg aus. Hunger, Elend und Wolken, aus denen es Tränen regnete überzogen das Land. Es dauerte 17 Jahreszeiten und zwei Stunden bis sich alles beruhigte und man sich wieder auf sein Frühstück freute.

(16.12.92)

 

 

 

Die Wiedersehensfeier

Dies ist eine Geschichte aus der Zeit am Rande eines Wasserfalls.

Der Überlieferung zufolge wird ihre Entstehung einem Dichter zugeschrieben.

Man findet Niederschriften auf zahlreichen Tontafeln im ganzen Land.

Auch heute noch geniert man sich beim Gähnen in ehrfürchtigem Andenken an diese Geschichte.

 

Im Heilsamen Schock, einem Restaurant am Stadtrand,

erlebten neulich ein Paar Gäste eine Wiedersehensfeier mit Gurken und Tomaten.

Ein Orchester saß auf der Bühne und spielte mit Pauken und Trompeten.

Ein Lied zu Ehren der Gastgeber wurde getrommelt und gepfiffen.

Sieben Scheiben Edamer wurden serviert.

Das Fest rauschte auf allen Frequenzen.

Doch benachbarte Rundfunkempfänger fanden vor Gericht kein Gehör mit der Forderung nach Gebührenrückerstattung.

Demgegenüber vergab Stereoplay Fünf Ohren.

Der Koch wurde anschließend von der Gehaltsliste gestrichen.

Dankenswerterweise erklärte er sich jedoch bereit, unentgeltlich weiter zu arbeiten,

denn er habe eingesehen, so seine Worte, dass er nicht leicht zu ersetzen sei.

Um Mitternacht verzauberte die Detonation einer Fünf-Kilo-Eisbombe die versammelte Gesellschaft in klebrige Puppen,

aus denen demnächst Kerbtiere schlüpfen werden.

(16.12.92)

 

 

 

Weihnachten

            An diesem Tag regnete es Engelsfedern. Es schüttete förmlich und die Welt versank in weißem Flaum. Hunde wälzten sich am Straßenrand in den Federn und bellten mit Cherubimszungen ein „Wausiannah“. - Kein Zweifel: Das große Fest stand vor der Tür.

            In den Wäldern war schon längst das rosa rauschen des Lamettas zu vernehmen. Ein Rauschen, das in etwa so klang wie ein Staubsauger. Jeder Mönch, der etwas auf sich hielt, hatte seine Ohren mit Christbaumkugeln behangen. Überall hörte man andächtig der morgendlichen Stauweihe zu. Sie wurde von den Radiobetern mit besonderem Pathos vorgetragen. Eine gewisse Langsamkeit bemächtigte sich der menschlichen Bewegungen und Gedanken. Eine Langsamkeit, die nur eine Ursache haben konnte: Die bevorstehende Wiederkehr der gewaltigen, konfettikotzenden Stubenfliege.

            Wohl dem, der ihrer nicht unvorbereitet harrt!

(1990)

 

 

 

Der Fertigmensch

1

 

            Es war gar nicht so - nein - es war irgendwie anders, aber er wusste noch nicht genug - sein Fehler war, dass er noch nicht genug wusste.

            Rational erkannte er die Zusammenhänge; hatte sie längst analysiert - seine Hand wollte nicht begreifen, wollte nicht zupacken. Und so meinte er, immer noch mehr wissen zu müssen. Er war wie ein Stein. Der Fertigmensch wusste das und so hatte er schließlich nur noch einen Wunsch: Mit Anderen darüber zu reden, es den Anderen klarzumachen. Laut zu sprechen, sehr laut... ... als er seine Hand längst aufgegeben hatte.

            Dann fand er Träumer. Die hörten ihm zu - in Augenblicken, wo sie sich verloren. Doch sie vergaßen es wieder.

            Auch Gelangweilte fand er. Er konnte es ihnen laut erzählen und sie applaudierten. Doch nicht einmal Verstand verstand Verstand.

            Schließlich versuchte er es mit Blumen und Girlanden. Er erfand gedrechselte Tiraden und filigrane Ornamente - doch auch dies half nichts.

            Kreis reihte sich an Kreis, Spirale an Spirale, drehend, durchdringend - immer haltlos - hilflos.

Mach’s kurz, Fertigmensch: verschwinde!

 

2

 

            Der Fertigmensch packt seine Koffer. Er hat es satt und will verreisen. Tapetenwechsel. Andere Gesichter - andere Gedanken.

            Schon vor Wochen hat das Frieren angefangen und nun ist es richtig kalt geworden. So hat er denn keinen anderen Gedanken mehr, als nach unten zu gehen, nach Süden in die Wärme. Nicht, dass er sich das leisten könnte (Ein Fertigmensch kann sich eigentlich gar nichts leisten.), aber er denkt sich: „Mensch, was hast du zu verlieren?“

            Die große Maschine sagt auch, dass nichts los ist im Vaterland im Winter und sie schickt Ihn zu einem dieser alten verrotteten Bahnhöfe und er wird weggefahren.

            Kaum sitzt er im Zug, da begegnet ihm die Fremde, früher noch, als er dachte. Damit hatte er nicht gerechnet. Jetzt musste er sich zusammennehmen und ihm war sowieso schon kalt.

            Die Fremde lügt ihn strahlend lächelnd an und bald wird ihm klar, dass sie eiskalt ist. Da sagt er sich: „Nein, ich brauche bestimmt keinen Urlaub mehr.“ Er macht sich auf den Rückweg.

            Zu Hause lässt er sich von der großen Maschine seine Prozessoren aufmöbeln und sich noch extra eine Wege-zum-Erfolg-Schaltung einbauen. Dann meint er wieder, es müsse eben doch so gehen und nicht anders. Und wenn nicht - kann er ja wieder verreisen. (1981)