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Der Komponist III

Ohrvisionen, leuchtende und was sich sonst noch so alles Musik nennt

Strickmuster

Geschriebenes als Garnitur

(8/2018)

 

Glaubensbekenntnis

Das muss jetzt aber mal gesagt werden!

Es bringt zwar nichts und ich handele mir damit nur Ärger ein aber es ist jetzt einfach mal wichtig.

Du wirst meinen Rat eh ignorieren aber das nehme ich jetzt auf mich.

Ich nehme das Kreuz und sage dir jetzt die Wahrheit:

 

Ich verzeihe dir nicht,

dass du nicht mit mir redest, 

dass ich alt und grau werde 

und dass die Welt langsam stirbt! 

Ich verzeihe dir nicht 

all das Unglück, 

all die Gier, 

all die Gewalt, 

all den Schmerz, 

all den Hunger 

und all die Armut, die in der Welt ist.

Aber irgendwann, wenn am Ende alle tot sind, wirst auch du begreifen, dass es falsch war.

Dann wirst du alles bereuen.

Doch dann ist es zu spät.

 

So, und jetzt lasse ich dich weiter in dein Unglück rennen.

Mehr kann ich nicht für dich tun.

(1.8.18)

 

Sommer

Diese Frau konnte schon nicht mehr ganz so jung sein, denn ihr Körper war ganz mit Tattoos bekleckert.

(8/2018)

 

Bäckerei 2018

Das Geräusch künstlicher Fingernägel auf Touchscreen-Kassen

(8/2018)

 

Treibjagt

Eine Maschine, die Gedanken ordnen kann.

Eine Mutter, die auf eine sehr alte Schraube passt.

Unüberwindbare Schranken.

Salz in der Info.

Daten, die über Klippen stürzen.

 

Und einmal, am Rande eines haushohen Plateaus: 

krummsäbliges Getümmel im Gestrüpp von Platinen.

Man kämpfte wohl um labbrige Wahrheit in feuchtem Loch. 

Man schlug sich um den Anfang eines Romans ohne Ende.

(8/2018)

 

Knack

Platz machen und einen Schritt zur Seite gehen 

den Dingen ihren Lauf zu lassen und sie nicht beeinflussen

sie von alleine geschehen lassen, 

dann… 

kommt man am besten voran, 

dann findet man sein Glück,

Dann findet man die Stelle in Raum und Zeit, wo sich sein eigenes, ganz persönliches Glück befindet.

 

Die Seele sehnt sich nach Stille, 

doch drei Dinge behindern sie auf dem Weg dorthin:

dein hungriger Geist, 

die Vorstellungen und Konzepte, die du von dir selber hast 

und deine Wünsche. 

 

Der Weg zur Stille führt über die Langsamkeit. 

Langsam ist das Tempo des Lebenshauchs. 

Entspanne dich, lächle, lausche und warte!

 

So klopfe an die Tür, 

so bitte höflich um Einlass und Gehör: 

Dehne deinen Atem aus und zieh ihn zusammen, 

so langsam, dass dein hungriger Geist davon zermürbt wird,

so langsam, dass Ausdehnung und Schrumpfung miteinander verschmelzen,

so langsam, dass der Scheitelpunkt verschwindet.

 

Dann – Knack – geht die Tür geht auf. 

Lebendigkeit tritt ein. Du trittst in die Lebendigkeit ein.

26.8.10

 

Traumpartner

beruflich gescheitert

sozial isoliert

spirituell verwahrlost

körperlich geschwächt

finanziell ruiniert

(Juni 18)

 

Das Zeitalter der Gemütlichkeit

Stellen wir uns einmal vor, jetzt wäre das Zeitalter der Gemütlichkeit.

Nix „Zeit der großen Veränderungen“

Nix „eine im Aufbruch begriffene Zeit“

Nein – wir stellen uns einfach einmal vor, es wäre jetzt langweilig.

Und wir würden das jetzt einmal genau messen.

Ganz genau.

Bis auf die 59. Stelle hinter dem Komma genau.

Mit einem ganz einfachen Lineal!

Jetzt!

(Mai 2018)

 

Der Hobbyist

nach einer Midlife-Crisis eine neue Leidenschaft entdeckt

ein Erweckungserlebnis gehabt und jetzt Missionar

Liebet einander!

(Mai 18)

 

Ich hätte da mal eine Frage

Wieviel hast du verdient?

Wieviel hast du besessen?

Wie berühmt bist du geworden?

Wie hoch war dein Status?

Wieviel Bewunderung hast geerntet?

Was hast du alles überstrahlt?

Wie viele Menschen konntest du überflügeln, zur Seite drängen, schlagen, bestrafen und erniedrigen?

 

Moment!

...Ich hol mir mal eben den Vorgang...

(Mai 18)

 

Perspektive

Also: Deine Perspektive ist die einzig richtige. Das muss ich zugeben.

Der Gedanke, den du gerade denkst, ist der wichtigste, den es gibt. Überhaupt. Weltweit.

Vielleicht hat es niemals einen wichtigeren Gedanken gegeben als diesen einen, den du gerade denkst. 

Es ist auf jeden Fall ein Gedanke, der die Welt verändern wird!

So ein schöner Gedanke!

Der wird die Welt verändern und dann haben wir so eine schöne neue Welt.

Mit Frieden und so...

Wohlstand, Gerechtigkeit, Wachstum und der ganze Kram – Paradies eben.

 

Dieser Gedanke sollte für immer in deinem Kopf bleiben 

oder zumindest in den Köpfen aller, die dich lieben

     und das sind automatisch alle, die mit dir zu tun haben.

(Mai 18)

 

mintgrün

Übrigens: Dein mintgrünes T-Shirt mit dem Paulaner-Weißbier-Alkoholfrei-Aufdruck ist der Brüller!

Das ist genau das Richtige für angesagte Clubs!

Damit halten dich Türsteher für einen gefragten DJ-Star! 

Jawohl, auch noch in deinem Alter!

Paulaner-Weißbier-Alkoholfrei – das lass ich mir an den Hals stechen!

(31.5.18)

 

Für die Umwelt

ich steh mit beiden Beinen auf der Bioerde

ich bestelle Onlinefisch

großzügig verpackt 

Biolachs, in Biowasser gezüchtet,

demnächst auch aufblasbar, 

aufgeblasen mit Bioluft,

saulecker!

4.3.18

 

Lärmmeditation mit Laubbläser

 

(Dez 2017)

 

Der Plan

 

Beim Aufräumen des Kinderzimmers mit überraschend wiedergefundenem Spielzeug spielen.

(2017)

 

 

 

Atmen

 

orientierungslos und gelangweilt?

Hier:

Sensation!

Große Vorführung!

Jetzt!

Eintritt billig!

Kommt alle!

Man kann mir nämlich jetzt beim Atmen zusehen!

Eine spektakuläre, unvergessliche Präsentation!

Unfassbar, unnachahmlich, unvergleichlich, unerreicht!

Los!

(22.10.17)

 

 

 

Pangäa zerbricht!

 

man müsste etwas tun

macht denn keiner was?

überall nur Gaffer

youtubehandyvideoupload

schon 300.000 Views

aber keiner tut etwas

dabei wäre das so einfach

es liegt doch auf der Hand

klar wie Kloßbrühe

aber auf mich hört ja keiner

dann geh ich halt wieder

bin ich noch da?

(10.10.17) 

 

 

 

Das sitzt!

 

Begeistert Fünwe gerade sein lassen,

überzeugt von ich muss gar nichts

das Unheil der Welt einatmen

und dann nichts als Schönheit ausatmen –

einfach so.

Und dann: unbedingtes, radikales Vertrauen,

mammutgroß, mammutstark, unerschütterlich, unbeirrbar, traumwandlerisch sicher,

stabil wie bester Stahlbeton

und Hoffnung mit dem Geschmack von Gewissheit.

(9/2017)

 

 

 

Kapellmeister

 

½ Stunde später wachte Waan Tusri auf.

Sogleich zählte er wild entschlossen wie ein Stein – bis Drei.

Doch da waren schon alle Melodien auf den Bäumen.

(9/2017)

 

 

 

Mausgeburt

 

Die körnige Oberfläche der Erinnerung schleicht umher zwischen stolzen Lehmfontänen.

Sie ist süß, wie der Rost an einem Grabkreuz und beschirmt von ungebrannten Ziegeln.

Sie  weckt die Sehnsucht, mit der der man eine alte Sünde betrachtet.

Schon raschelt zusammengestammeltes Leben wie eine Katastrophe.

Mausgeburten sind enge Freunde der Wichtigtuer.

(9/2017)

 

 

 

 

weiterhin himmelwärts

 

eine wachsende Anzahl

ein Mehr an Plus

riesige Erwartungen – weltweit

...und die steigen auch noch!

Börsenkurse

gesunde Lebensjahre

gut informierte Menschen aller Art

irgendetwas verdoppelt sich sogar alle 18 Monate

(9/2017)

 

 

 

Glaubt man den Gegenständen, so ist kein Schatten beneidenswert

 

nicht der Schatten des Politikers

nicht der des Popstars

nicht der des Milliardärs

nicht der des blendend aussehenden, stilprägenden, ultrajungen Künstlers.

 

Heraufziehendes Unheil lässt Glieder erstarren.

Gedanken greifen nach den Sternen.

Gestelzte Tiger durchschreiten die Fußgängerzone.

In der Stadt führt man Fabeltiere spazieren.

Am Strand sonnen sich Konsumgüteratrappen – mächtig faul.

Ein Getöse pfuscht einen Nachmittag lang herum.

Geständnisse fallen aus dem Mund wie Schnee im Frühling.

Wärest Du doch nur lebendig und könnte ich mit dir sprechen!

 

Der Himmel spiegelt sich in den Schießscharten,

die dich durchdringend anstarren

mit Augen, die marionettenhaft blicken

mit Augen, die geschmiedete Pläne purzeln lassen

mit Augen, die ungeduldig nach Wasser schreien.

Zwei schweigsame Schwestern.

 

Das Wort Morgen liegt aufgerollt unter einem Stein.

Jemand zieht Sterne in den Schornstein hinab.

Aus dem Konservatorium sickern paarweise Speichelfäden.

Erstickte marschieren in Dreierreihen.

Die Lagune entknotet sich, während der Gesprächsfaden davon rollt.

Ängste reden hektisch Smalltalk.

Ein enttäuschter Geruch geht vorüber.

Gebratene Buchstaben drehen sich am Spieß, geschrieben mit einem schönen Stift auf Büttenpapier.

Wie kommt es nur, dass es so leicht ist, sein Leben in winzige Krümel zu zerreiben?

(8/2017)

 

 

 

Informationsdefizit

 

Die Kompetenzagentur ist anstrengungsbereit.

Sie haben schon ihre Werbung verdoppelt.

Sie brauchen die Provisionen.

(30.7.17)

 

 

 

Die Grippewelle rollt

 

Die arme Heuschnupfe hat Erkältung und muss ständig nießen.

Selbst die Söhne der Äbtissin husten.

Auch der Winter ist eine Frau.

Sie herrscht mit einer senkrechten Kälte.

Tanz der großen Trockenheit...

Tanz der welken Pflanzen, die von Früchten nur träumen...

Man stampft mit den Füßen und zuckt mit den Schultern.

Faltenlos vernagelt.

(2017)

 

 

 

Wenn du mal abschalten willst...

 

frag den Gedanken!

Er macht dir ein wunderschönes Gerücht.

Er ist nämlich ein Professor der Lüge.

Er unterrichtet an der Sumpfakademie.

Da gibt es auch Diplome.

Die sind allerdings feucht.

(12.4.17)

 

 

 

Haben!

 

Jedenfalls: Wow!

Alle haben ja gesagt.

Und das wurde dann auch statistisch ausgewertet.

In einer wissenschaftlichen Untersuchung.

Dieses Ergebnis ist hochinteressant für alle, die ihr ganzes Leben lang nicht den eigenen Weg finden.

Die denken dann: Super - das will ich auch!

(12.4.17)

 

 

 

Der Glaube

 

Horizont eines in die Enge getriebenen Tieres

Zweifel am Mysterium des Lebens

Wissen und Beweise helfen nicht

nicht einmal Ahnen und Vermuten

(12.4.17)

 

 

 

Der Buntmalclub tagt

 

Ich bin da Mitglied!

Ich habe da die schwarze Doppel-XXL-Plus-Platinum-Gold-Diamant-Titan-Mitgliedschaft in GROß

Mit SUPER-VIP extra

Ich also dahin

Aufgeregtes Geplapper

Dann plötzlich so: Knotenstille

Man hört nur noch das Nennbergrauschen

sprengsatzblau

(12.4.17)

 

 

 

Gefühlt Willkommen geheißen

 

Achtung! In Dreißig Sekunden heiße ich Sie herzlich Willkommen!

Hört es: Dann wird das Licht sein wahres Gesicht zeigen!

Ein Licht, das man atmen kann und das alle Schatten verschluckt.

Und sollte dann ein technisches Problem Panik auslösen und Untergangsstimmung,

wird der Applaus alles unter sich begraben,

denn es sind schwingende, surrende Stromfresser,

die da applaudieren werden.

 

Dann wird man Gedankengitter endlich systematisch zu durchlaufen können.

Den Tod nicht vor Augen. Ist das nicht super?

 

Jetzt bloß keinen Termin vorschlagen, vereinbaren, verschieben, absagen, verpassen...

Statt dessen: Die Angst vor der Lücke im Denken betasten, mit Feuerfingern – ganz entspannt!

Denn in Dreißig Sekunden heiße ich Sie herzlich Willkommen!

(4/2017)

 

 

 

Liebe kauen im Schatten

 

Liebe – eine Form von Intelligenz.

Wackelig, auf tönernen Füßen, stake ich der Liebe entgegen.

(2017)

 

 

 

Kontraktion

 

Wenn man mit über 90% der Lichtgeschwindigkeit vollkommen reglos an einer Stelle verharrt,

und einfach nur nichts tut, dann

hat jeder Tag hat nur 23 Stunden,

hat jede Stunde nur 59 Minuten,

hat jede Minute nur 59 Sekunden.

Dann steht da viel an.

Und es könnte schon zu spät sein.

Effizient und konzentriert arbeiten hilft nicht.

Auf den letzten Metern, in der 90sten Minute

wird nämlich doch noch einen Fehler passieren,

der viel Zeit kostet.

Ungefähr 1 Std., 1 Min. und 1 Sek.

Wo hab ich denn nur...?

Immer suche ich etwas!

(2017)

 

 

 

Gedanke aus Beton

 

Ich denke einen Gedanken aus Beton.

Ein für alle Mal!

Der bleibt da liegen!

Oben drauf kommt Vulkanasche

ungefähr drei Meter

und dann hält das!

 

Ich nehme einen Zug aus der Tüte.

Ein für alle Mal!

Djiit! – direkt ins Gehirn!

Bin drauf für immer – vorsichtig geschätzt

und das sollte dann reichen

meistens...

(2017)

 

 

 

Geiles Leben

 

Boah – hab ich ein geiles Leben!

„Nichts“, sagte ich im Brustton der Überzeugung,

als man mich fragte,

„Was hättest du anders gemacht?“

Weil ich nämlich schon immer so war.

Ich habe mich noch nie entschuldigt.

Ich habe mich noch nie an der Nase herum führen lassen.

Ich habe nie gezweifelt und nie falsche Entscheidungen getroffen.

Ich war immer besser als die anderen.

Ich hatte immer mehr Spaß als die anderen.

Und übrigens:

Es stört mich nicht, wenn du auch zufrieden bist...

...oder höchstens nur ein ganz klein bisschen.

(2017)

 

 

 

Der Komponist I

 

das Geld zu haben und den Mut, das ganze Zeug zu kaufen

den Willen, das ganze Zeug zu lernen

die Ausdauer, so lange hinzuhören, bis der Soundklang klingt

die Vision, dass auch andere ein Ohr dafür haben werden

und dann

dann, dann, dann, dann, dann,

erst dann

(2017)

 

 

 

Der Komponist II

 

Ich beglückwünsche das Klavier!

So ein schönes Lied!

Der Leierkastenmann bekommt auch einen Preis!

So ein schönes Lied!

Zudem: Er wird befördert!

Zum stellvertretenden Stammkunden!

Applaus!

(2017)

 

 

 

Eine Russische Weltraumoper

ein Liebespaar kommt vor

sie ist KGB-Agentin

ein Bösewicht ist auch dabei

und das Buffopaar: Putzfrau und Praktikant aus Afrika

(2017)

 

 

 

Industrialisierung

 

Porzellanmanufaktur

Fischmanufaktur

Eventmanufaktur

Atemmanufaktur

(12/2016)

 

 

 

Drei Dinge

 

Drei Dinge fielen mir ein.

Ich wusste: Ich brauche sie mir nicht aufzuschreiben, denn ich behalte sie mir auch so.

Etwas später dachte ich: Vielleicht ist es doch besser, das aufzuschreiben.

Doch da hatte ich schon eines der drei Dinge vergessen.

Jetzt waren es nur noch zwei.

Und leider war das Dritte das wichtigste.

Es wurde sogar umso wichtiger, je mehr ich versuchte, mich daran zu erinnern.

 

Es wurde sogar so wichtig, dass meine Versuche, mich daran zu erinnern, begannen,

verzweifelt zu wirken.

 

Dann aber dämmerte es mir:

Wenn ich mich jetzt nicht unablässig, ununterbrochen und kontinuierlich darum bemühe,

mich an das eine, Vergessene zu erinnern,

dann wird das Ganze noch stressiger,

dann kommt das noch hinzu,

obendrauf,

auf den Riesenhaufen, der ohnehin schon da ist und der ohnehin schon immer weiter wächst,

obendrauf:

Dass ich nämlich mich verdammt nochmal nicht erinnern kann

an dieses Eine, verflucht Wichtige, das ich vergessen hab!

 

Doch dann fiel mir urplötzlich ein, dass ich eigentlich etwas Grundsätzliches ändern müsste,

damit alles besser wird:

Es hängt nämlich alles damit zusammen,

dass ich noch lebe.

(11/2016)

 

 

 

 

 

Seien wir doch mal grob

 

Seien wir doch mal grob!

Das kann Klarheit bringen und unterhaltsam sein!

Und lehrreich noch dazu.

Aber was ist wie zwei Ernten in einer Minute essen?

(2016)

 

 

 

Gut aussehen

 

In grauer Vorzeit am anderen Ende der Welt

...als Analphabeten noch nur mit einem vierzeiligen Gedicht Fürsten werden konnten.

...als Äbte noch nur mit der Bewegung eines kleinen Fingers Schüler erweckten.

...als Äbte noch jedem, der dies nachzumachen versuchte, die Finger abhacken lassen konnten,

ohne ihren Ruf zu beschädigen...

 

Da warst du wertlos. Da zählte Dein Leben nichts.

Aber hier und heute bist du ein Fertigmensch!

 

Denn heutzutage und hierzulande haben selbst Leute,

die stellvertretend für ihre korrupten Chefs ins Gefängnis gehen,

ihre Fans.

Denn immerhin sind solche Leute doch vollkommen unschuldig.

 

Beachte daher Regel Nummer eins:

Benutze niemals billiges Parfum!

Denn nur aufgeblasen siehst du gut aus!

(2016)

 

 

 

Psychotherapie

 

Mein Leibarzt rät mir, mich zu mäßigen.

Ich wäre nicht sozial und ich bräuchte eine kompetente Komponente.

Es wäre aber alles nicht so schlimm,

denn wenn ich nur auf meine Bedürfnisse achtete,

würde so etwas ganz natürlich aus meine Nase wachsen.

So etwas sähe aus wie ein langer schwarzer Fühler.

Damit käme ich dann klar.

Mehr Freunde, mehr Zärtlichkeit, mehr Nähe, mehr Zuwendung, mehr Anerkennung, mehr Geld, mehr Sex und mehr Erleben.

„Tja“, sagte er zu Schluss, während er sich zufrieden auf den Bauch klopfte „so etwas erlernt man nicht so etwas erbt man.“

(2016)

 

 

 

 

 

Das Material

 

Das Material hat seine Unschuld verloren. Es ist zu neu.

Unschuld kommt erst mit dem Alter.

Wer das Material akzeptiert, muss eine ganze Menge Kompromisse machen.

Glaubwürdigkeitstonne. Authentisch ist anders.

Man muss dann nämlich etwas ganz Furchtbares für angemessen halten.

Kann man friedlich sterben, wenn man sich so auf das Material einlässt?

(2016)

 

 

 

Die Entschlossenheit

 

die gefrorene Mammuts zum Leben erweckt

die Junkies schlagartig wachrüttelt,

die wütende Elefanten beruhigt,

die hungrige Eisbären in die Flucht schlägt,

die Tiger in die Knie zwingt,

die nörgelnde Kinder in Tränen ausbrechen lässt,

die Selbstmordattentäter erschrocken ihre Sprengstoffgürteln vom Leib reißen lässt,

die Entschlossenheit, mit der ein Vulkan explodiert...

 

Das ist es, worauf es beim Gähnen ankommt!

Sonst wird das nichts!

(2016)

 

 

 

Der Winkel

 

Er müsste mal justiert werden.

Etwas weiter nach rechts – also von dir aus gesehen rechts; von mir aus etwas weiter in die Mitte.

Es ist ja nicht so, dass ich irgend wohin will aber die Richtung sollte schon stimmen.

Sonst wird es schwierig mit der Motivation.

Aber wenn der Winkel stimmt, hat man das Ziel vor Augen: einen duftenden Klang volle Weisheit.

Dann lässt man sich nicht mehr so leicht von der Tatsache ablenken, dass es so weit weg ist.

Unmöglich zu Fuß zu erreichen!

Man braucht ein Maschine!

Der Weg dort hin ist eine ungeheuerliche Aufgabe. Unfassbar groß!

Es gibt nicht einmal einen Berg, der größer wäre.

 

An dieser Maschine sollte ich übrigens diese eine Schraube noch etwas anziehen.

Wegen der Knzntrtion. Aufm Pnkt!

(2016)

 

 

 

Der Hasenschrei

 

markerschütternd

herzzerreißend

steinerweichend

Das war jetzt aber nicht nötig!

Musst du denn immer so ein Theater machen!

(2016)

 

 

 

Das Wiedersehen

 

Das Wiedersehen – entbehrlich!

Du bist gekommen, um dich zu verabschieden?

Tschüss!

Mein Interesse an dir rattert zwar laut, es ist aber eine Maus.

Wir waren dein Zuhause?

Nick.

Leute verstrahlen und dann noch selber die meiste Strahlung abkriegen?

Naja - Schamanen liegen eben auch mal daneben.

(2016)

 

 

 

 

 

So ein Tag

 

so wunderschön wie heute.

Damit er sich sich nicht selber abhackt.

Damit er sich nicht absägt wie den Ast, auf dem er selber sitzt.

Dafür müsste mal jemand etwas tun!

Das kann man doch nicht so lassen!

(2016)

 

 

Gott hat eine Eid geschworen

 

Gott hat einen Eid geschworen!

Ich hab’s gesehen!

Ich hab’s gehört!

Ich war dabei!

Er hat geschworen, dass ich was zu Ficken kriege und zwar genug.

Und dass mein Bewusstsein erweitert wird und zwar mit Drogen.

Ein für alle Mal!

Und dann sagte er noch, ich solle mir keine Sorgen machen wegen Nächstenliebe und Armut und so.

Alle wären nämlich demnächst ganz verrückt nach mir.

Und dann würde ich nämlich ganz selbstverständlich

friedensnobelbepreist und heiliggesprochen werden.

 

Und außerdem würde mich niemals mehr wieder eine Frau kirre machen können!

 

Das hat er gesagt! Darum bräuchte ich mich nicht zu kümmern!

Er hat es sogar geschworen!

Und auch das mit dem ewigen Leben hat er erwähnt.

Ich weiß nur nicht mehr, was er darüber sagte.

Naja – wird mir wohl noch einfallen.

Ich hab ja noch Zeit.

(2016)

 

 

Information

 

Alle Brieftauben kamen an.

Niemand konnte sich herausreden.

Alle wussten Bescheid.

Es gab keine Entschuldigung.

(2016)

 

 

Hinweis

 

Du musst sterben,

wenn du dein Leben lang hungerst,

wenn du nichts gelernt hast,

wenn du nichts lernen durftest,

wenn du den Drogen verfällst,

wenn du nie in deinem Leben in die Stadt kommst,

wenn du ein spirituelles Leben lebst,

wenn du irrig glaubst, ein spirituelles Leben zu führen,

wenn du ein weiser Mensch bist,

wenn du glaubst, ein weiser Mann zu sein aber das Leben eines Narren führst,

wenn dich alle für brillant halten,

wenn du mit Glück und Talent gesegnet bist,

wenn du mit 17 schon ein weltweit bekannter DJ oder Schauspieler bist,

wenn du mit 20 die weltbeste Schachspielerin und wunderschön bist,

wenn du 60 Jahre schon regierst,

wenn du ein Fisch bist und nach Wasser suchst.

 

Du lebst ewig,

wenn du auf den heutigen Tag achtest,

wenn du das Wunder des Lebens erkennst,

wenn deine ganze Zukunft eine Vision voller Hoffnung ist,

wenn du keine Erwartungen hast,

wenn du staunst,

wenn der Tellerrand der Materie nicht dein Horizont ist,

wenn du übst,

wenn das Feuer der Liebe in dir brennt.

(2016)

 

 

 

 

 

Die Liste

 

Und jetzt eine Liste.

Sie hat nur zwei Punkte.

1. mehr und besser

2. der Punkt, an dem die Kontrolle verloren geht

 

 

 

 

 

 

 

(2016)

 

Klingelingeling! Aufgewacht!

 

Meine gute Laune eskaliert gerade.

Ich bin ein hungernder Gefangener, dem man duftenden Braten vorhält und der weiß,

dass man ihm die Hände abhackt, wenn er danach greift.

Ich nähere mich einer Felswand, die mit jedem Meter höher wird.

Meine zum greifen nahe Visionen werden plötzlich zu schrecklichen Ungeheuern.

Immerhin: Ich übe mich fleißig darin, die Erreichbarkeit des Wünschenswerten zu überschätzen.

(2016)

 

 

 

 

 

 

 

 

Sechs goldene Regeln des Zusammenlebens von Mann und Frau

 

1. Ich Chef – du nix!

2. Ich arbeite viel – du nur faul!

3. Ich sehe Realität – du nur Fantasie!

4. Ich argumentiere sachlich – du nur provokant!

5. Ich weis es besser – du nur Besserwisser!

6. Ich ganz entspannt – du nur regst dich auf!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(2016)

 

Der Wasserfall

 

Du bist ein Wasserfall voller Energie

als würde das Mittelmeer auslaufen.

Er stürzt durch deinen Körper bis hinunter zu deinen Füßen (es kribbelt).

Er reißt alles weg, was sich ihm in den Weg stellt.

Deine kleine Welt wackelt.

Dein Fundament ist erschüttert und sei es auch noch so stabil.

Bist du frei, so wirst du zum Tier – unwissend, rasend.

Bist du gefangen, so wirst du befreit.

Doch nach deiner Befreiung wird keine Therapie der Welt deinen Schmerz lindern können.

Wie viel Mal kannst du das noch einstecken? Bist du Muhammad Ali?

Bald wist du zu müde sein zum Üben!

Deine Einfälle fliegen dir davon.

Deine Vorstellungskraft geht am Rollator.

Deine Phantasie verschluckt der Nebel.

Was einmal präsent und strahlend war, wird dann schreiend bunt und künstlich.

Was einmal unübersehbar einzigartig war, geht dann in der Masse unter.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(2016)

 

Eine Waffe

 

Es ist erstaunlich: Es gibt Leute, die kommen mit nur einer Waffe aus.

Sie meinen, sie wären ganz okay und andere bestätigen ihnen das noch.

Sie stellen Fragen wie:

Wer war ich in meinem vorigen Leben?

Wie beeinflussen UFOs meine täglichen Übungen?

Wie kann ich durch Yoga Telepathie lernen?

Wie durch Atemübungen Telekinese?

Wie verändert sich meine DNA, wenn ich an Liebe denke?

Welche wissenschaftlichen Beweise gibt es für Gott?

Kann ich als jungfraubetonte Frau durch Meditation wahrsagen lernen?

Oder kommt das Ende der Welt?

Oder schafft Google demnächst das Sterben ab?

 

Übrigens: Ich habe gar kein Sternzeichen. Ich weiß auch nicht. Ist wohl verloren gegangen. Irgendwann hatte ich jedenfalls plötzlich keines mehr.

Jetzt träume ich an vorderster Front.

 

 

 

 

 

 

 

(2016)

 

Der Bombenentschärfer

 

psst

ich muss hochkonzentriert vorgehen

die Zünder vertragen keinerlei Erschütterung

und man kommt nicht so leicht an sie heran.

sie sind nämlich innen

mittendrin

ich kann sie herausdrehen

immer wieder

fast jeden Tag einen.

Doch Wehe, es zündet mal einer!

Dann ist alles aus!

Dann – zu spät – stellt sich die Frage, wozu ich mein Leben lang diesen Feind brauchte:

Routine.

(2016)

 

 

 

 

 

Die Einladung

 

Wenn nur jemand den Schalter umlegte

den Schalter der Liebe!

Wenn mir nur jemand Vorschriften machen würde: „Sei zärtlich! Das ist ein Befehl!“

Wenn es mir nur jemand richtig zeigen würde

das Himmelreich auf Erden

wie es vor meiner Nase liegt

jetzt

im Wald vor lauter Bäumen!

 

Wenn mir nur endlich jemand die Einladung brächte!

Am besten in einem vergoldeten Briefumschlag,

auf einem Samtkissen liegend,

in einer Sänfte mit vier Trägern bis vor meine Haustür:

die  Einladung für morgen früh bei Frau Wichtig:

„Bitte erscheinen und benehmen – Abendgarderobe erwünscht “,

damit ich aufwachte und die Müdigkeit von mir abfiele,

damit meine verklebten Augen sähen und der Lärm nachließe,

damit ich das Geschenk endlich auspackte, das schon seit Jahr und Tag in der Ecke verstaubt

in der Ecke, die ich nie aufräume

das Geschenk, das mir diese Frau Wichtig vor langer Zeit persönlich gab.

Frau Wichtig vor langer Zeit!

 

Nun kommt sie aber nicht

die Sänfte,  getragen von vier Engeln

die mit der Einladung für morgen früh

in einem vergoldeten Briefumschlag.

 

Es ist also nicht nötig, wach zu sein, vorbereitet und mit guter Garderobe im Schrank.

Ich brauche nicht zu glauben, dass ich brillant bin,

kraftvoll – ein Licht für die Welt,

denn ich bin ja nicht eingeladen.

(2016)

 

 

 

 

Worte des Dorfpropheten

 

Dann kommt die Zeit,

in der man die Kraft findet,

all den Mist loszulassen,

mit dem man sich tagtäglich betäubt.

 

Es kommt die Zeit,

in der man nur das Tor öffnet,

und es fließt herein

der nicht enden wollende Strom der Wörter, Geschichten und Bilder.

Weit offenes Tor! – Es scheint als hätte es all die Jahre nur geklemmt.

 

Es kommt die Zeit,

da sehen Augen was immer zu nah war,

da packen Griffe was immer zu glitschig war,

da gehen Füße unbeirrt den kaum erkennbaren Pfad – den schnellsten Weg zum Ziel,

da hören Ohren endlich den Klang, der immer da war

 

...die Zeit,

wenn endlich die Sehnsucht groß genug geworden ist,

um das Fass überlaufen zu lassen –

das Fass vom Voll,

wenn endlich der Kiesel fällt,

der den Wagen kippen lässt.

 

In der Zeit tut man das,

was man schon so lange tun wollte.

Man hatte gewartet – zu lange,

weil man trotzt des Dürfens nicht konnte

und weil man nicht wollte – blind wie man war für Schönheit und Leben

und weil man war

vor Schrecken stumm.

 

Schmetterling, es fühlt sich taub an!

Ich kann kaum gehen!

Also zeig mir das Abenteuer des Fliegens!

(2016)

 

 

 

 

 

 

 

 

versagt

 

gestern versagt,

heute jedoch entschlossen,

spätestens morgen damit anzufangen,

darüber nachzudenken,

wann denn jetzt ein guter Zeitpunkt sei

zum Aufhören.

Eine Frage, die wie eine Moorleiche auftaucht.

(2016)

 

 

 

 

 

Seligsprechung (Kurzform)

 

Selig sind die Reichen, Rücksichtslosen, Lauten, Oberflächlichen, Machtgierigen, Ruhmsüchtigen,

Raffinierten, Dominanten, Mitläufer, Egoisten, Scheuklappenträger, Kurzdenker, Nichtskönner und Nachmacher,

denn sie haben Urkunden, Posten, Orden

und ein moralisches Immunsystem, das jeden tötet, der sich ihnen in den Weg stellt

und sei es auch Gott oder der Schöpfer aller Kriecher!

(2016)

 

 

 

 

 

Sieben Gedanken,

 

die Stalin in seiner Todesstunde durch den Kopf gingen

(Er lag 24 Stunden tot über seinen Schreibtisch gebeugt, bevor jemand wagte, sein Büro zu betreten.)

1. ich muss meine Macht sichern.

2. Das Arschloch muss ich auch noch zerquetschen.

3. Das wird schon wieder.

4. Gleich ist es vorbei, dann geht es mir wieder besser.

5. Meine Mutter hatte recht.

6. Wie blöd sind doch die Zweifler.

7. Na Bitte!

(2016)

 

 

 

 

 

 

 

Eine grob gehackte Geschichte essen

 

  1. Auf einem kruden Schimmel durchstreifte ich in Eckernförde einen dreiteiligen Nachmittag.

2. Ich erschlug der Fährmann und ermahnte den Drucker.

2.a Ich erschuf den Sämann und ernannte den Schlucker.

3.   Ich dachte, ich müsste aufräumen (Achtung: Aufräumen kann ablenken von dringenderen Aufgaben!). Ich sah Leute, die nicht zu mir gehörten.

4. „Halt“, schrie der Hampelmann, doch es war nur ein Avatar. Ich ließ mich nicht täuschen.

5.   Wie weit wird dies noch dauern? Wie weit wird er noch hier stehen?

a. Weit genug, um zu erfassen, was aus dieser Welt geworden wäre?

b. Lang genug, wenn das Leben auf der Erde nicht entstanden wäre?

c. Hoch genug, wenn sie ihr dann trotzdem aufs Haar gliche?

6.   Es ist nicht genug für die Augen des Netzes, nicht genug für den Strom im Gehirn, nicht genug für den Augenblick der Erkenntnis.

      Es reicht nicht einmal für ein Butterbrot im Sandkasten. Obwohl:

                 Sauerstoff scheint das einzige zu sein, was hier noch fehlt.

Am Abend kehrte ich zurück auf einem müden Gaul.

Ich hatte Menschen verwirrt, bestürzt, erhoben und sogar getötet, aber roh, so roh, so schwer zu schlucken war dieser Tag.

(2016)

 

 

 

 

 

Abendgarderobe

 

Ich hab mich fein gemacht mit Maschendraht.

Ich seh gut aus und klinge dufte!

Besonders mit ein bisschen Verzerrer.

(2016)

 

 

Yogaunterricht

 

öffne dein Herz (Aber achte darauf, dass es nicht zu sehr blutet. Hier muss alles sauber bleiben.)

atme in dein Herz ein

atme noch mehr in die Rückseite deines Herzens ein

schmeiß den Atem an SCHMEISS!

bleibe atmend

noch ein Atmer (nicht Atemzug!)

hatmen

heinatmen

hausatmen

Du bist ein Atmer!

und jetzt: ein fettes Om

mach Länge

noch mehr Länge machen

läng

Länge schießt in den Rücken

recksträäääääääck (mit englischen „r“ ausgesprochen)

mit geradestem Rücken

weit, weit, waaaaaaait

genau

genau

Genau

GENAU

GENAU GENAU

langsam

langsam, langsam

sehr langsam

langsam, langsam, langsam

Wirbel für Wirbel FÜR WIRBEL

die Kurvung (nicht die Kurve)

wir fliegen (nicht: wir balancieren)

wahnsinnig entspannt, superentspannt

wahnsinnig achtsam, irrsinnig mit der

achtsamsten Achtsamkeit – fast schon neunsam

mit wütender Gelassenheit

brutal liebevoll, krass zärtlich

total ausgeleveld (nicht ausbalanciert oder gar austariert)

sehr

sehr, sehr

sehr, sehr, sehr

und jetzt: magnetisier

fühl in dich hinein

spür da hinein

führe deinen Geist an die Stelle deines Körpers, an der du dich am meisten spürst

fühl mal den Moment

dieser Moment ist der wichtigste Moment in deinem Leben

Kobra oder der herauf schauende Hund?

Stirn abgeben

Surf den Moment

sei verliebt in dich selbst

ersaufe im Glück

ersaufe in dir selbst

Wie fühlt sich deine Dankbarkeit jetzt an?

mmHmm

hm – hm

hm – hm – hm – hm – hm

fließ in die süßeste Babykobra

Bereite dich jetzt gedanklich darauf vor, die Stellung zu verlassen

Komm jetzt auf deinem Weg vom Liegen ins Sitzen

bedank dich bei deiner Yogapraxis

bedank dich bei dir selbst

du bist wichtig

du bist das Einzige, was zählt,

es gibt keinen Beweis

es gibt nur dein Ego und das must du ausatmen

beim einatmen ausatmen

und umgekehrt

und loslassen

das Loslassen loslassen

das Loslassen des Loslassens loslassen

(15.7.15)

 

 

 

Flüssigkeiten

 

Die Flüssigkeiten geben ihre Energie natürlich nicht für die Vorstellungskraft.

Meistens nicht.

Jedenfalls nicht die mit niedriger Viskosität.

Und die anderen – wenn überhaupt – nur sehr zögerlich.

Und langsam.

Es könnte zu langsam sein.

Es ist auf jeden Fall zu langsam für das große Ziel.

Diese Flüssigkeiten müssen erst einmal wieder fließen.

(2010)

 

 

 

Richtig

 

Er machte alles richtig.

Doch eines Tages ging ihm auf, dass das, was er getan hatte,

sehr anders war als alles, was die Anderen taten.

Das erschreckte ihn zu Tode und er starb tatsächlich.

(24.3.2010)

 

 

 

 

Zwei Probleme

 

Erleichtert stellte ich fest, dass ich wirklich nur zwei Probleme hatte:

Ich war sozial isoliert und beruflich gescheitert.

(17.10.09)

 

 

 

Theater

 

Die Gedanken streben immer nur dem kleinen Einakter zu, der nur drei Mal aufgeführt wurde.

Man muss sie daran hindern, sonst werden sie zu fett.

Sind sie einmal da, hören sie nicht auf zu essen.

Sie essen immer nur die eine Melodie.

Wenn man sie nicht gleich energisch daran hindert, werden sie ganz steif.

(17.10.09)

 

 

 

Reichtum

 

Etwas zu oft Trinkgeld

Etwas zu teuer

Etwas zu viel gekauft

Etwas zu schlecht bezahlt worden

Etwas zu wenig Arbeit

Etwas zu viel Arbeit

Etwas zu lang geschlafen

Etwas zu viel gezappt

Etwas zu viele Filme

Etwas zu viel Urlaub

Etwas zu wenig Energie

Etwas zu schwach

Etwas zu neblige Visionen

Etwas zu oft die Richtung geändert

Etwas zu viele Möglichkeiten verfolgt

Etwas zu viel gewollt

Etwas zu wenig Verzicht

Etwas zu wenig Beschränkung

 

Und immer die Hoffnung, dass es trotzdem reicht.

(1.9.2009)

 

 

 

Überfall der schwarzen Gedanken

 

Nicht zu fassen, wie sie das geschafft haben!

Dreist und tollkühn in diesem Getümmel unbemerkt zu bleiben, bis zum Zentrum vorzudringen, zuzuschlagen,

ein Schlachtfeld zu hinterlassen und dann auch noch unbemerkt zu flüchten!

(2009)

 

 

 

So tun.

 

Als würde man den Weg kennen

Als müsste nichts mehr entwickelt werden

Als wären keine Irrwege mehr zu gehen

Als wäre die Suche schon zu Ende

Als könnte man ihn schon hören – den Klang.

(11.8.08)

 

 

 

Der Partner des Schweigens

 

Der Partner des Schweigens strampelt sich ab, Wind zu fangen auf den Stufen einer flüssigen Kathedrale.

Rund herum Wald, aber der ist nicht authentisch.

Er sieht nur so aus.

Außerdem ist er blind.

Er sieht nur seinen Traum.

(11.7.08)

 

 

 

Preisliste

 

leichten Herzens loslassen ............................................................. 9,00 €

Angst einfach vergessen ................................................................7,00 €

sich nicht ärgern über Fehler, Sünden und verpasste Chancen ........... 6,50 €

Augen öffnen................................................................................8,50 €

aufwallende Gefühle entfernen .......................................................7,00 €

(6.7.08)

 

 

 

 

Placebo

 

Bergeversetzender Glaube.

Was ist das?

Bergeversetzender Glaube.

Was ist das?

Bergeversetzender Glaube.

(19.12.2005)

 

 

 

Der letzte Tag

 

Und jetzt kommt auch noch raus, das heute mein letzter Tag ist!

Ich werde sterben!

Heute Abend oder spätestes Morgen in den frühen Morgenstunden.

Das ist blöd.

Aber schlimmer noch ist:

Ich weis einfach nichts Besseres zu tun,

als das zu tun, was ich jeden Tag tue:

Besorgungen, Termine, Arbeit, Erledigungen

Vergnügen, Genuss, Empfindungen und andere alltäglich Dinge.

 

Mir fällt partout nichts anderes ein!

Was für ein Schrecken!

Ich habe nur noch ein paar Stunden und agiere wie ein Roboter.

Irgendwie bin ich gelähmt, paralysiert und ich habe keine Kontrolle.

Wie ein völlig übermüdeter, von Halluzinationen geplagter Pilot!

 

Jetzt nicht sterben zu müssen –

Vergewaltigung, Schmerzen, Demütigung

Beraubung, Nacktheit, Gefängnis

wären mir eine Freude!

Doch leider muss ich sterben.

heute.

 

So lebt man doch nicht seinen letzten Tag!

Niemand macht das!

Alle

Alle hätten sie da Wichtigeres zu tun an diesem einen, letzten ihrer Tage – an ihrem letzten Tag.

sich Verabschieden

Frieden schließen

um Verzeihung bitten

sein Erbe ordnen...

 

Nur ich komme mal wieder nicht klar.

Ich krieg es nicht gebacken.

Ich bin so benebelt,

dass ich den Schuss nicht höre,

aus der Kanone,

abgefeuert

direkt neben meinem Ohr.

 

Ich fühle nur eine Taubheit – immerhin!

(2005)

 

 

 

Durchschnittstemperatur

 

Nullgrad   Durchschnittstemperatur   Nullgrad

Durchschnittstemperatur: Nullgrad

 

Nullgrad ist die Temperatur,

bei der man durchschnittlich glaubt,

man hätte einen großen Kräutergarten

darin

ein Kind

mit einer Geburtsurkunde.

 

Eine Trillerpfeife schrill ertönt,

wenn man versucht, sich von dieser Vorstellung loszureißen.

(27.12.94)

 

 

 

Bescheidenheitsweltmeisterschaft

 

Da darf man nicht zimperlich sein.

Da muss man auch mal die Ellbogen einsetzen.

Mitleid ist hier fehl am Platz und Toleranz führt zu gar nichts.

Das wichtigste ist der Ehrgeiz, der unbedingte Wille zum Sieg.

Man muss geradezu gierig nach dem Sieg verlangen.

Wahre Bescheidenheit zeigt sich darin, dass man sich beschränkt!

Man konzentriert sich nur auf den Sieg und lässt sich nicht ablenken von den Verlockungen des Lebens, die da sind:

Vielfalt, Liebe, Schönheit der Natur, Wunder des Lebens usw.

Man darf auch nicht vor krummen Sachen zurückschrecken –

nicht vor Hinterlist, Betrug und Boshaftigkeit.

Man darf sich lediglich nicht erwischen lassen.

Man darf auch stolz auf seine Betrügereien sein.

Was man jedoch nicht darf, ist:

Skrupel haben, Schwächeren helfen, Strauchelnde aufrichten, Arme beschenken.

Denn man muss seine Kräfte zusammen halten.

Es geht schließlich um den Sieg.

Da darf man nicht an andere denken.

Nur an seine Konkurrenten: Die muss man ständig im Auge behalten.

Die sind schließlich auch nicht schlecht.

Man muss ständig bewerten, wer bescheidener ist.

Sonst findet man sich plötzlich auf Platz zwei wieder.

Man muss die Schiedsrichter bestechen.

Man muss die Maßstäbe manipulieren.

Man muss Neid kultivieren, Schadenfreude und Rachedurst.

Das hilft!

 

Aber wenn man aufgibt,

wenn man loslässt,

wenn man sich der Müdigkeit hingibt und nicht mehr auf seinen Status achtet,

wenn man anderen den Sieg lässt und nicht mehr sein eigenes Ego in den Mittelpunkt stellt,

dann hat man den Sinn wahrer Bescheidenheit nicht verstanden und den Sieg nicht verdient.

(1993)

 

 

 

 

 

 

 

Eine Lüge

 

Im grausamen Angesicht der Wirklichkeit verblassen alle Emotionen

Eine Geschichte geht zu Ende

Lebendiges stirbt - Totes wird lebendig

Ein Bluterguss erreicht die Hauptschlagader

Das Resultat einer Spekulation tritt zutage

Gereimtes offenbart seinen Sinn

Karten werden auf den Tisch gelegt

Versäumtes gibt sich zu erkennen

In der Mitte einer weiten Fläche steht eine Statue

Ihr Schatten wird von der Mittagssonne scharf gezeichnet

Deutliche Worte werden verstanden

Ein Einerlei entpuppt sich als Lüge

(27.5.93)

 

 

 

Vergleich

 

Du bist schon du – ich muss ich noch werden.

Du bist schon bereit – ich muss mich noch ändern.

Du hast einen Plan – ich arbeite am Loslassen.

(16.12.92)

 

 

 

Bekenntnis

 

Hier bin ich

Mensch

geschurigelt vom Computer

aufgehalten von den sieben roten Ampeln

zitiert zum Parkzeitnehmer

Rechtfertigungen stammelnd

am Tage meines größten Termindrucks

in Trägheit befangen

in die große Unordnung des Denkens gestürzt

(11.4.92)